22 Produktionen, mehr als 210 Aufführungen an mindestens 60 Spielorten – 200 Gäste feiern die Spielplan-Gala für 2027 in der Vollen „Sünde“ in Weiden.
Volles Haus in der „Sünde“: 200 geladene Gäste drängten sich am Mittwochabend in Weiden, als das OVIGO Theater seinen Spielplan 2027 multimedial vorstellte. Unter dem Motto „Into the Light“ bringt der Verein neun Neuproduktionen heraus, hält insgesamt 22 Stücke im Repertoire und bespielt mit mehr als 210 Aufführungen mindestens 60 Spielorte in 40 Gemeinden. Zu den Höhepunkten zählen das Musical „The Addams Family“, Max Frischs „Biedermann und die Brandstifter“, Goldonis „Der Diener zweier Herren“ und die Kultkomödie „Ladies Night“. Im Publikum saßen zahlreiche Vereinsmitglieder, Bürgermeister, Landräte, Kulturbeauftragte und Kooperationspartner.
Intendant Florian Wein führte selbst durch den Abend, präsentierte Neuproduktionen und Wiederaufnahmen und holte einige Beteiligte zum Kurzinterview auf die Bühne. Musikalisch begleiteten Franziska von Hülst (Gesang) und Andreas Lehmann (Klavier) die Gala; beide treten bei OVIGO in verschiedenen Konstellationen auf. Den Auftakt übernahm Wein gleich selbst: Gemeinsam mit den beiden schmetterte er Falcos Hit „Out of the Dark (Into the Light)“ – und mitten im Song leuchtete auf der Leinwand das neue Jahresmotto auf. „Into the Light“ löst damit das aktuelle Motto „Die Zeit, die uns bleibt (tick, tick, tick)“ ab.
„Wir werden neue und alte Geschichten in völlig neuem Licht erzählen“, versprach Wein. Dafür brauche es die ganze Strahlkraft der rund 450 Vereinsmitglieder. Zugleich warnte er: „Doch wo Licht ist, ist auch Dunkelheit.“ 2027 kommen also auch düstere Geschichten auf die Bühne.
Rekordjahr und neues Ziel: 25.000 Besucher
Schon jetzt verbucht das Theater für 2026 einen Zuschauerrekord, berichtete Wein; bis Jahresende peilt es mehr als 22.000 Besucherinnen und Besucher an (zum Vergleich 2025: 17.800). Für 2027 hält der Intendant sogar die 25.000-Marke für möglich. Ziel bleibe, „allen Mitgliedern und Zuschauern interessante Theaterangebote zu unterbreiten“. Rund 200 Rollen gilt es 2027 zu besetzen – Wein lud die Mitglieder im Saal ausdrücklich zum Mitspielen ein. Regelmäßig gastiert das Ensemble unter anderem in Weiden, Moosbach, Nabburg, Kemnath, Kohlberg, Bodenwöhr, Grafenwöhr, Neunburg vorm Wald, Bärnau, Eschenbach, Schwandorf, Floß, Speinshart, Oberviechtach und Vorbach.
Rückenwind liefert der Theaterzweckverband „Neue Bühne Oberpfalz“, der das OVIGO Theater erneut fördert und bei der Gala die Zusammenarbeit vorstellte. Im Zweckverband haben sich der Landkreis Neustadt an der Waldnaab, die Stadt Weiden, der Landkreis Tirschenreuth und die Stadt Kemnath zusammengeschlossen. Der Landkreis Schwandorf fördert bereits mit und soll in Kürze beitreten.
Großes Musical und zwei Klassiker
Sein größtes Projekt 2027 stemmt das Theater im Herbst: das Musical The Addams Family. Es tritt in die Fußstapfen von „Spamalot“ (Monty Python), das in drei Spieljahren mit 29 Aufführungen rund 9.000 Besucher anlockte und damit Vereinsgeschichte schrieb. Das Grusical feiert am 16. Oktober in der Nordgauhalle Nabburg Premiere und zieht anschließend ins Kettelerhaus Tirschenreuth und in die Schwarzachtalhalle Neunburg vorm Wald weiter. Regie führt die Nürnbergerin Annika Nitsch, die bei OVIGO derzeit mit Kalter weißer Mann Erfolge feiert. Im Gespräch mit Wein erzählte sie von den Castings und davon, wie sehr ihr Herz für das Musiktheater und die „Addams Family“ schlägt: „Schon als kleines Mädchen wollte ich nichts anderes“, sagte sie im Interview.
Mit Max Frischs Biedermann und die Brandstifter holt OVIGO ein neues Schauspiel auf die Bühne: Brandstifter treiben in der Stadt ihr Unwesen, nachts gehen die Dächer über den Köpfen der brav schlafenden Bürger in Flammen auf. Haarwasserfabrikant Biedermann gewährt allen Warnungen zum Trotz zwei Hausierern Quartier auf seinem Dachboden – und verschließt die Augen vor ihren brandgefährlichen Machenschaften, bis zum bitteren Ende. Premiere feiert das Stück am 12. März in der Spitalkirche Nabburg, danach wandert es in die „Sünde“ nach Weiden, ins Foyer Kemnath und in die Alte Schulturnhalle Eslarn. Regie führt Johannes Lukas, der das Stück selbst vorgeschlagen hatte.
Einen weiteren Klassiker inszeniert die Regensburgerin Heike Ternes: Carlo Goldonis Verwechslungskomödie Der Diener zweier Herren aus dem 18. Jahrhundert tourt im Juli unter freiem Himmel – vom Schloss-Innenhof Burgtreswitz (Premiere am 2. Juli) über den Marktplatz Winklarn, die Naturbühne Schönberg in Grafenwöhr und den Edelmannshof des Bauernmuseums Perschen bis auf den Burgberg Waldeck bei Kemnath, wo das OVIGO Theater erstmals gastiert.
"Wo Licht ist, ist auch Dunkelheit"


Franziska von Hülst und Andreas Lehmann untermalten die Vorstellung der Komödie „Ladies Night“ mit „You Can Leave Your Hat On“
Im Frühjahr greift das Jugendstück Homevideo das Thema Cybermobbing auf. „Ein wichtiges Thema, das wir schon lange beleuchten wollten“, sagte Wein. Premiere feiert das Stück am 10. April im Emil-Kemmer-Haus Oberviechtach, anschließend spielt das Ensemble im W1 Regensburg, in der „Sünde“ in Weiden und im Theater im Römerhof in Garching bei München. Schulen können eigene Vorstellungen buchen. Regie führt die Regensburgerin Henriette Heine, die zuletzt Das Experiment inszenierte – auch dieses Stück kehrt zurück, im Januar nach Kemnath und im Februar nach Schwandorf.
Ans Eingemachte geht die Uraufführung In einem Ort, in dem nichts Außergewöhnliches geschieht, geschieht etwas Außergewöhnliches. Wein hat das Stück gemeinsam mit Michael Zanner geschrieben, der auch Regie führt; Zanner stand zuletzt in „Spamalot“ als König Artus auf der Bühne. Als im Ort Kreisel-Lümatüty ein Mensch von „außen“ verschwindet, brechen in der vermeintlichen Idylle dunkle Geheimnisse und grausame Traditionen auf. Zanner kündigte an, dass das Stück „psychische, körperliche und sexualisierte Gewalt“ thematisiere. „Ein Stück wie gemacht für das Jahresthema“, so Wein. „Auch wenn es wehtut – manche Wahrheiten müssen einfach ans Licht.“ Zur Uraufführung lädt OVIGO am 24. September ins W1 Regensburg, danach folgen das Foyer Kemnath und die „Sünde“ in Weiden.
Fest im Spielplan bleibt SAD-88 über den rechtsradikalen Brandanschlag von Schwandorf 1988, bei dem vier Menschen ums Leben kamen. „Wichtiger denn je“ sei das Thema, betonte Wein, der das Stück geschrieben hat, Regie führt und selbst mitspielt. Mehrere Schulen haben bereits Vorstellungen für 2027 vereinbart. Nur „Spamalot“ lockte in der OVIGO-Geschichte noch mehr Zuschauer an als „SAD-88“.
Familienstücke, Konzerte und Krimi-Dinner
Für Familien öffnet sich im Juli das Wunderland: Alice im Wunderland feiert am 9. Juli im Bauernmuseum Perschen Open-Air-Premiere. Die Regensburger Theaterpädagogin Bettina Schönenberg inszeniert den Klassiker von Lewis Carroll mit zahlreichen Kindern, Jugendlichen und einigen Erwachsenen. Gespielt wird im Edelmannshof des Bauernmuseums Perschen (Nabburg) und im Schloss-Innenhof Burgtreswitz (Moosbach); in einer eigenen Schulwoche können Schulen Vorstellungen buchen.
Heiter und anrührend wird es im Dezember: Das Weihnachtsstück Das letzte Schaf nach Ulrich Hub erzählt die Weihnachtsgeschichte aus der Sicht von zwei Schafen und richtet sich an Kinder jeden Alters ebenso wie an Erwachsene. Premiere feiert es am 4. Dezember in der Regionalbibliothek Weiden. Regie führt Max Hegner, den das OVIGO-Publikum schon in zahlreichen Rollen auf der Bühne erlebt hat. Auch hier können Schulen in einer eigenen Woche Vorstellungen buchen.
Nach dem Erfolg des 2026 gestarteten Konzertformats „OVIGO sings“ geht Unstillbare Gier … nach Musical 2027 erneut auf Tour, dazu kommt der neue Konzertabend It’s a … Musical (Premiere am 12. Juni im Innenhof der Regionalbibliothek Weiden). Franziska von Hülst (Gesang) und Andreas Lehmann (Klavier, Gesang) singen dabei ihre Lieblings-Musicalsongs – unter anderem in Schwandorf (Felsenkeller), Weiden (Innenhof Regionalbibliothek), Eschenbach (Seebühne Rußweiher), Waldsassen (Kunsthaus), Falkenberg (Burg), Speinshart (Gemeindezentrum), Kohlberg (Kriegerhain Nikolauskirche), Bodenwöhr (Seebühne) und Nabburg (Spitalhof und Bauernmuseum Perschen).
Ein Renner bleiben die Krimi-Dinner „Dinner mit Killer“ mit Mehr-Gänge-Menü, die auch 2027 durch zahlreiche Orte und Gasthäuser touren. Neben Das Geheimnis der Blutgräfin und Die spektakuläre Freakshow des Mr. Gonzalez entführt ab 21. November 2026 ein neues Stück die Gäste in die Mafia-Unterwelt Siziliens: Tod im Beichtstuhl – Von Schmugglern, Sündern und dem Paten.
Im Format „OVIGO liest“ kehrt die musikalische Lesung Musik-Pleyer mit Wein-Lese zurück – nach Guteneck (Schlosscafé), Kohlberg (Kriegerhain Nikolauskirche), Falkenberg (Burg), Speinshart (Wieskapelle) und Nabburg (Spitalkirche). Auch die „Zeitreisen“ laden wieder zu geführten Erlebniswanderungen ein: in Nabburg (Stille Wasser) und grenzüberschreitend bei Bärnau (Fingierte Grenzen).
Zurück auf die Bühne holt OVIGO außerdem die Komödie Hamlet for you nach Shakespeare (Kohlberg, Ebnath, Vorbach) sowie die Kinderstücke Käpten Knitterbart und seine Bande (Ebnath, Kohlberg, Eschenbach, Vorbach) und Nur ein Tag (Floß, Waldeck, Speinshart). Michael Endes Momo feiert am 5. Dezember 2026 in der Spitalkirche Nabburg Premiere und zieht im Januar in die Schwarzachtalhalle Neunburg vorm Wald.
Überraschung zum Schluss: „Ladies Night“
Den Knaller hob sich Wein für den Schluss auf: Die Kultkomödie Ladies Night kehrt in die Oberpfalz zurück. Vor Jahren stand Wein beim Landestheater Oberpfalz selbst in dem Stück auf der Bühne, nun freut er sich, dass „dieses Lachfeuerwerk wieder da ist“. Allerdings sollten „dieses Mal andere strippen“. In der Komödie gründen arbeitslose Männer eine Stripper-Gruppe und trotzen mutig allen Widrigkeiten. Premiere feiert das Stück am 27. November in der Nordgauhalle Nabburg, im Dezember folgt die Stadthalle Neustadt an der Waldnaab. Regie führt der Wahl-Nürnberger Gerald Leiß, der in einer Videobotschaft seine Vorfreude kaum zurückhalten konnte.
Mit dem neuen Spielplan will das OVIGO Theater die Lücke, die das Aus des Landestheaters Oberpfalz gerissen hat, weiter schließen und sein Programm mit neuen Ideen ausbauen.
Karten für alle Stücke gibt es ab sofort unter www.ovigo-theater.de, bei OK-Ticket und an den bekannten Vorverkaufsstellen. Schulen können zahlreiche Stücke buchen, allen voran „Alice im Wunderland“, „Homevideo“, „Das letzte Schaf“, „SAD-88“, „Nur ein Tag“ und „Käpten Knitterbart und seine Bande“.





