Ortenburg-Ensemble mit Die Physiker

DIE OVIGO-STORY (1979-2017)

Zahlen & Fakten

1 Auszeichnung: Bayerischer Amateurtheaterpreis 2015 („Der Gott des Gemetzels“ / Schauspiel).
2 Florian Wein & Julia Ruhland. Von 1979 bis 2012 war es Wolfgang – „Der Wolf“ – Pöhlmann.
3 Produktionen im Jahr 2015 – damals Rekord.
4 Darsteller für eine einzige Person: Gregor Samsa wurde für „Die Verwandlung“ von vier OVIGOs dargestellt.
5 neue Produktionen im Jahr 2017: „Lampedusa“, „Männerhort“, „Mein Freund, der Schrank“, „Gift“, „Peter Pan“.
7 Zwerge sehen wir im Dezember 2016 bei „Schneewittchen“.
10 Zigarettenpausen (im Schnitt) pro Probe.
32 Darsteller bereicherten das Spieljahr 2016.
325 Zuschauer bedeutete am 8. Oktober 2016 eine neue Rekordkulisse („Die Verwandlung“, Schwarzachtalhalle Neunburg vorm Wald).
499 Likes bei Facebook! Da geht noch was: LINK.
999 Wünsche/Ziele für die Zukunft.

Wie alles begann: das Ortenburg-Ensemble

Das OVIGO Theater gibt es erst seit 2012 – als eingetragener Verein sogar erst seit 2016. Die Ursprünge liegen aber tatsächlich in den 70er-Jahren! 1979 wurde das „Ortenburg-Ensemble“ als Schultheater am Ortenburg-Gymnasium Oberviechtach von Kunstlehrer Wolfgang Pöhlmann gegründet. Mit dem ersten Stück „Der Spitzel“, einer erweiterten Szene aus Bertolt Brechts Drama „Furcht und Elend des Dritten Reiches“ erzielte die neu gegründete Schulspielgruppe einen fulminanten Erfolg – und das nicht nur in der Heimatstadt, sondern auch bei den Schulspieltagen in Berchtesgaden, wo die Oberviechtacher dank ihres glänzenden Spiels, aber auch aufgrund ihres couragierten Auftretens die Gunst der strengen Jury gewannen, die vor diesem Auftritt schon zahlreiche Darbietungen anderer Gymnasien regelrecht verrissen hatten.

Das unerwartet gute Abschneiden bei den Berchtesgadener Schulspieltagen steigerte auch schulintern das Ansehen der neu formierten Spielercrew, die sich auch über die Förderung durch die Schulleitung freuen konnte. Damit war der Grundstein für die künftigen Inszenierungen beeindruckender Theaterstücke gelegt, die über die Schulregion hinaus wahrgenommen wurden und dem Ortenburg-Ensemble ein Renommee verschafften, das auch heute noch Gültigkeit hat. Mit der Versetzung von Friedrich Brunner lag die Verantwortlichkeit für die Schulspielaktivitäten alleine bei Wolfgang Pöhlmann.

Neue Ideen, große Projekte

Nach ein paar Jahren entstand aber ein Problem: Die Schüler hatten alle ihr Abi in der Tasche und waren damit keine Schulspieler mehr. Trotzdem entschloss sich das Ensemble, zusammen zu bleiben. Ehemalige Ortenburg-Schüler spielten fortan mit neuen Schülern gemeinsam. So schaffte es die Truppe, sich in allen Belangen zu verbessern und immer wieder frischen Wind hineinzubekommen. Auch in den Bereichen Technik, Maske oder Kostüm beteiligten sich viele Helfer und unterstützten die Gruppe tatkräftig.

Aus der Vielzahl der Inszenierungen des Ortenburg-Ensembles ragen der „Jedermann“, die „Dreigroschenoper“ und der „Faust“ heraus. Sie wurden über mehrere Jahre hinweg an wechselnden Spielorten in Oberviechtach und Neunburg vorm Wald zur Aufführung gebracht. Das 25-Jährige Schuljubiläum 1989 war der Anlass zur erstmaligen Darbietung von Hofmannsthals „Jedermann“ auf der Freitreppe vor der Stadtpfarrkirche. Über 1100 Zuschauer sahen am Festspielwochenende im Juli 1989 die nächtlichen Aufführungen auf dem Marktplatz.

Eine einjährige Probenarbeit mit Orchester und Ensemble erforderte die ehrgeizge Umsetzung von Brechts Dreigroschenoper im Jahr 1992. Neben Michael Eckl (Mackie Messer), Ulrich Wabra (Peachum), Anja Killermann (seine Frau) und Sabine Bullemer (Tochter) war mit Markus Redl, Anja Krafczyk, Alexander Wunder, Heino Hübbers und Marion Wettig ein neuer Stamm talentierter Spieler herangewachsen, um nur einige zu nennen, die die erfolgreiche Inszenierung nachhaltig beförderten. Viele Ensemblemitglieder waren zwischenzeitlich aufgrund ihres Studiums in alle Richtungen verstreut, aber wenn Pöhlmann rief, dann kamen sie alle. Dass auch die Musiklehrerin Connie Eichenseer eisern zum Zeug hielt, beflügelte das Opernprojekt ungemein.

Eisenbarth und große Würdigungen

Eine überörtliche Würdigung erfuhr das Ortenburg-Ensembles im Jahr 2000, als der Theatergruppe eine Ausstellung im Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus eingeräumt wurde. Großformatige Bilder sowie vielfältiges Informationsmaterial zu den diversen Aufführungen konnten mehrere Monate im Kultusministerium betrachtet werden, bevor die Ausstellung im Oberviechtacher Rathaus und in der Aula der Schule vorgestellt wurde.

Was viele nicht wissen: Das Ortenburg-Ensemble war eine tragende Stütze für den Start des mittlerweile verselbstständigten und überregional bekannten Dr. Eisenbarth Festspiels. Wolfgang Pöhlmann gelang es, den Autor Werner Müller dazu zu gewinnen, ein Stück zum Leben des in Oberviechtach geborenen Wanderarztes zu schreiben, das als Ausgangstext für die uraufgeführte Fassung des Festspiels diente. Hand in Hand mit dem Doktor-Eisenbarth-Festspielverein, vielen Oberviechtacher Bürgern und weiteren Vereinen brachte das Ortenburg-Ensemble das fertige Stück erstmals im Jahr 2002 auf die Freilichtbühne.

Weg von der Schule, hin zu OVIGO

Im Jahr 2012 entschlossen sich Wolfgang Pöhlmann und Co. dann zu einem ganz besonderen Schritt: Das Ortenburg-Ensemble löst sich von der Schule! Die Gründe: Keiner der aktuellen Spieler war auch ein aktueller Schüler des Gymnasiums. Außerdem wurden erstmals auch Darsteller von „außerhalb“ aufgenommen und Wolfgang Pöhlmann beendete 2011 auch seine Lehrerlaufbahn am Gymnasium. So gründete sich also OVIGO. Mit diesem Namen gedenkt das Ensemble aber immer seiner Herkunft: „OVI“, kurz für Oberviechtach – und „OGO“, kurz für das Ortenburg-Gymnasium. Oberviechtach wird immer die Heimat bleiben – jedoch sind jetzt keine Grenzen mehr gesetzt.

Im Herbst 2014 spielte das OVIGO-Ensemble zum letzten Mal unter Leitung Wolfgang Pöhlmanns. Das Stück Dr. med. Hiob Prätorius zu Ehren des Ortenburg-Gymnasiums, das 50-jähriges Schuljubiläum feierte, war ein voller Erfolg. Unter Standing Ovations vor fast 200 Zuschauern übergab Wolfgang Pöhlmann die Leitung der Gruppe an Florian Wein und Julia Ruhland. Fortan setzte sich ein Prozess der Verjüngung, Erneuerung und Erweiterung ein. Neben den „alten Recken“ sind einige neue Spieler (und damit wieder aktuelle Schüler) hinzugekommen. Außerdem wird nicht mehr nur auf typische Klassiker oder Boulevardkomödien gesetzt – auch die Stücke sollen keinen Genregrenzen mehr unterliegen.

Auszeichnung, Jubiläum, Professionalisierung

Im Jahr 2015 spielte das OVIGO-Ensemble erstmals drei Produktionen in einem Jahr. Im Frühjahr begeisterte das bissige Kultstück Der Gott des Gemetzels rund 500 Zuschauer in der Oberpfalz und Nürnberg. Doch auch landesweit machte die Produktion von sich reden: Das OVIGO Theater gewann in der Kategorie „Schauspiel“ den Bayerischen Amateurtheaterpreis. Außerdem wurde das Jugend-Ensemble von Diamond Lucy für den internationalen Papageno-Award nominiert (Verleihung im März 2017 in Salzburg).

Seitdem gehen die OVIGOs einen konsequenten Weg in Richtung Semi-Professionalisierung des Theaterbetriebs. In allen Sparten und Bereichen stellt man sich breiter und kompetenter auf und versucht durch Workshops, Kurse und regelmäßige Trainings die Schauspielerschaft weiter zu verbessern und auch auszubilden. Die Kritiken zur Uraufführung der „Verwandlung“ nach Franz Kafka gingen bereits in die gewünschte Richtung. Zudem konnten Rekordkulissen verzeichnet werden.

Zum 5-jährigen Jubiläum des OVIGO Theaters stehen erstmals gleich fünf neue Produktionen an. 2017 wird neben der Komödie Männerhort, dem Schauspiel Gift, der Uraufführung des Jugendstücks Mein Freund, der Schrank, einer musikalischen Version von Peter Pan, auch die Profi-Produktion Lampedusa gezeigt.

Fortan nur noch unter dem Motto: Was für ein Theater!

von Georg Lang und Florian Wein

EINDRÜCKE (1979-2017)

« 1 von 2 »